Schneeloch – Hochtor – Josefinensteig

Mit Renate fahre ich nach Johnsbach zum Kölblwirt. Wir wollen hier übernachten und dann am nächsten Tag in der Früh über das Schneeloch aufs Hochtor und von dort über den Josefinensteig zur Hesshütte und wieder zurück nach Johnsbach.

Das Abendessen ist schon mal ein Genuss und auch das Zimmer ist fein. Der Gastwirt, mutmaßlich der Senior, der von der nächsten Generation gerade abgelöst wird, ist sympathisch und zuvorkommend. Er erkundigt sich zu den Bedingungen wie von Renate erbeten. Die neue, junge Hüttenwirtin der Hesshütte meint, dass geübte Bergsteiger mit dem Schnee, der noch liegt, fertig werden sollten. Na fein, ich bin in den leichten Trail-Bergschuhen und ohne Grödel unterwegs. Nicht einmal eine lange Berghose habe ich mit, abgesehen von der Regenhose. Der Wetterbericht sagt einen bedeckten, aber trockenen Vormittag und einen sonnigen Nachmittag ohne Gewitter voraus. Meteoblue, mein Lieblingswetterdienst, schätzt die Vorhersagekraft mit sehr hoch ein.

Nach ebenfalls feinem Frühstück steigen wir los. Über 1.600 Hm im Auf- und dann im Abstieg erwarten uns. Das wird also schon eine ordentliche Tour. So wandern wir bei feuchtwarmer Luft und dichten Wolken erst im Wald und dann allmählich durch Latschen immer höher. Dichte Nebelwolken umhüllen Hochtor, Ödstein und wie die so grimmig dastehenden Riesen noch heißen mögen. Die feuchtwarme Luft ist mittlerweile nicht mehr warm. Die ersten Schneefelder sind zu umgehen. Das geht noch alles leicht. Im Schneeloch dann das erste Schneefeld, das man tatsächlich überqueren muss. Es ist flach und kein bisschen gefährlich. Wenn ich hinaufschaue – und 400 bis 500 Höhenmeter sind es noch -, wird es mir jedoch mulmig. Einerseits könnte ich das erste Mal zu wenig zum Anziehen mithaben. Renate kann ich auch nicht beliebig antreiben, sodass mir wärmer wird. Anderseits könnte uns die Querung eines steileren Schneefelds eine unüberwindbare Barriere sein. Renate spürt meinen Zweifel und hat gleich „wild feuernde“ Nerven im rechten Arm.

Jeder bekommt einen der Wanderstöcke. Das wird schon gehen. Sonst müssen wir halt umdrehen. Der Weg führt zum Glück am Schnee vorbei. Die Stöcke sind bald hinderlich, weil wir nun unsere Hände zum Anhalten brauchen. Keine Sorge, wir haben uns vorbereitet, Renate hat sogar Videos auf YouTube zu den Steigen angeschaut. Trotzdem sind wir überrascht, dass es eine leichte Kraxelei wird. Mit jedem Höhenmeter steigt auch der Nebel höher. Der Wetterbericht passt. Das ist ja mal beruhigend. Die Schneefelder haben auch schon Platz gemacht. Auch das ist fein so. Schon sehen wir das Gipfelkreuz. Nach meiner Einschätzung hält uns da kein Schneefeld mehr auf. An den Beinchen friert es, aber das kann ich aushalten. Renate ist berauscht. Immerhin steht sie in kurzen Hosen da und friert kein bisserl. Am Gipfel hält es uns nicht lange, das ist den Temperaturen und der fehlenden Aussicht geschuldet. Man sieht die nächsten Gipfel, aber wenig Panorama oder Fernblick.

Nun kommt der Abstieg, das ist so gar nicht Renates Lieblingsdisziplin. Wir rechnen mit einem weniger steilen Abstieg als Aufstieg, Schon nach hundert oder zweihundert Metern stellt sich uns ein Schneefeld in den Weg. Man kann es umgehen, aber so richtig angenehm ist das nicht. Moment, das war so nicht ausgemacht. Was mag da noch kommen?

In der Ferne sehen wir einen Wanderer entgegenkommen, der erste Mensch auf der Tour heute. Er erkundigt sich nach den Bedingungen im Schneeloch. Okay, der ist noch übler ausgerüstet als ich. Seine Sneaker haben schon einige große Löcher, aus denen die Socken schauen. Dafür hat er einen Helm. Aha, wofür? Er ist alleine unterwegs. Sein Lachen ist voller Zuversicht. Nein, er wird kaum Schneekontakt haben. Einzig, eine Stelle wartet noch im Aufstieg auf ihn. Er sagt uns für den Josefinensteig absolut apere Bedingungen zu. Schauen ma a mal.

Der Josefinensteig ist landschaftlich recht spektakulär und bei weitem nicht so zahnlos, wie wir dachten. Wie schon erwähnt, geht es mit Renate kaum schneller bergab als bergauf. Da habe ich es schon viel leichter. Irgendwann habe ich alles am Körper, was ich im Rucksack finde. Ich könnte mir noch den Biwaksack überstülpen, aber das erscheint mir dann doch als übertrieben. Steil geht es da entlang eines doch eher dünnen Stahlseils die Ostseite hinunter. Der Wind hat aufgefrischt und vertreibt die Wolken. Aber je weiter wir absteigen, umso erträglicher wird das Wetter. Und irgendwann erreichen wir die Hesshütte, wo ich das letzte Mal 1978 war.

In diesem Jahr hat eine junge Slowakin die Hütte übernommen. 100 Schlafplätze bietet die Hütte mittlerweile. Zu Pfingsten waren die Hütte gar voll. Da hatte die junge Frau wohl ihre Feuertaufe. Sie wird das schaffen, wir wünschen ihr das Allerbeste. Das Essen ist jedenfalls schon mal eine Freude. Wird schon gutgehen. Zeit, die Wege selbst zu begehen, hat sie nicht. So geben wir Auskunft, wie die Überschreitung war. Ihre letzte Auskunft ist schon wieder eine knappe Woche alt. Tja, der Kölblwirt hat bei der Hesshütte angerufen und hier hatte man keine aktuellere Information, Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man den Wirt fragt.

Gestärkt treten wir den Abstieg nach Johnsbach an. Drei Murmel begrüßen uns. Die sind so fett. Das mag man gar nicht recht glauben. Der Winter ist doch erst vorbei. Renate ist wieder voller Zuversicht. Der Weg liegt ihr eher als das steile, rutschige Fels-Geröll-Zeugs im Josefinensteig. So werden Pläne geschmiedet. Keine Spur von Müdigkeit. Knapp vor Johnsbach kommt uns eine junge Frau entgegen. Sie ist im Aufstieg zu Rebecca, ihrer Freundin und Wirtin der Hesshütte. Aus dem Rucksack schaut ein übergroßer Spätzlehobel. Was soll da noch schiefgehen? Die nächste Generation hat übernommen, gut so!

So endet die Tour nochmals bei einer Kleinigkeit beim Kölblwirt. Respekt meiner Renate, die diese lange Tour mit ihren verschiedenen Herausforderungen ausgehalten hat. Renate meint, all das hat der Kurzweiligkeit gedient. Mir soll es recht sein, fein war’s, Heim geht’s!

Die Tour auf Garmin

Stadelwandgrat

Der Stadelwandgrat war bislang der Höhepunkt der Saison. Dieses Mal starten wir damit. Der Zustieg inklusive Gassel fällt leichter als erwartet. Das mag daran liegen, dass wir schon wissen, was kommt. Gernot meint, ich soll notieren, dass der Weg bei 900m verlassen werden soll. Nun aber aufpassen, dass man nicht dem breiteren Steig zur Wand folgt, sondern eher eben in den Wald quert. Wer diesem Tipp folgt, kann in etwa 25 Höhenmeter sparen. Okay, aufgeschrieben ist es.

Gegen den fetten roten Pfeil und schon sind wir bei unserem ersten Turm. Ui, haben wir schon lange nichts am Fels getan. Sogar der erste HMS-Knoten will mir nicht gelingen. Wie ruft man sich diesen in Erinnerung, wenn er sonst doch immer automatisiert und ohne nachzudenken von der Hand geht? Einfach machen, nicht überlegen und geht schon. Die Saison kann beginnen.

Aber schon am ersten Turm mache ich einen schweren Fehler. Es fällt mir gar nicht leicht diesen aufzuschreiben. Ich bin gar nicht sicher, ob der erste Turm zur „offiziellen“ Routenführung gehört. Na ja, ich finde keinen Haken in der Wand und setze einen Friend. Ein bisserl Overkill, aber wenn ich ihn schon mithabe. Fast oben, möchte ich meinen zweiten Friend setzen. Immerhin möchte ich auf der anderen Seite gleich absteigen und den schönen Standplatz nutzen. Ich setze also den Friend, bin aber nicht sicher, ob der gut hält. Und dann weiß ich nicht, was in meinem Hirn abgeht. Ich ziehe und rüttle an der Sicherung, die sich auch prompt unter hoher Belastung löst. Blöd, dass ich mich aber nicht gut anhalte. Als der Friend aus der Wand fetzt, habe ich Glück, dass ich mich in der Wand irgendwie fangen kann. Na servas! Mir schießt alles ein.

Jedenfalls bin ich so verwirrt, dass ich den Friend wieder am Gurt befestige und zugleich sicher bin, den Friend gesetzt zu haben. Als Gernot nachsteigt und mir zum Stand folgt, sehe ich nur einen Friend. Meine Erklärung ist, ich muss so verwirrt gewesen sein, dass ich den Friend zwar in der Wand angebracht, aber das Seil nicht eingehängt habe. Gernot muss nochmal hinauf und den Friend holen. Nur er findet ihn auch bei gewissenhafter Suche nicht. Gut, dann muss eben ich nochmal zurück. Ich werde ja wissen, wo ich ihn angebracht habe. Beim Wechsel am Stand fummle ich am Beckengurt und – uppsi! – da ist er ja, mein Friend. Mah, ist das peinlich. Wie deppert kann man sein! Viel Glück und ein bisserl Demut schaden anderseits nie und ganz speziell zu Saisonstart nicht. Von wegen „der Berg verzeiht keine Fehler“.

Bei der restlichen Kletterei wechseln wir uns im Vorstieg ab. Es läuft gut. Einzig, bei einer anderen Stelle zum Abklettern vergesse ich einen Karabiner oben. Den darf ich gleich selbst holen. Der erste Zwischenfall zeigt also möglicherweise noch Auswirkungen. Und das, obwohl die Bedingungen optimal sind. Welche Entscheidungen trifft man, wenn die Bedingungen stressig sind oder sicher einer verletzt hat?

Alles andere läuft reibungslos. Die IIIer-Stelle gehört mir. Allmählich verstehe ich, was eine IIIer-Stelle auszeichnet. Fotografiert habe ich sie noch nie. Vermutlich sieht sie am Foto genauso aus, wie jede andere Stelle. Das nächste Mal gibt es ein Foto.

Am Ende des Steigs sind wir dann körperlich schon ein bisserl erschöpft. Wir jausnen im Schatten und erfreuen uns am Wind. Zufrieden über den Saisonstart steigen wir den Stadlwandgraben ab. Weiter unten liegt so viel Laub, dass man keinen Stein sieht und die Sohlen keinen Stein zu greifen bekommen. Dreimal wirft es mich hin. Fit wäre ich noch genug, aber dieses Gerutsche und Gestolpere nervt dann doch ein bisserl.

Irgendwann heißt es aber doch „Gut ist es gegangen, nichts ist geschehen!“. Ich habe viel dazugelernt, nicht theoretisch sondern überaus praktisch. So soll es sein. Wir hängen noch unsere Beine in die Schwarza, ehe wir in der VIP-Ecke des Spar in Reichenau Kalorien auffüllen.

Guter, aber auch wilder Saisonauftakt!

Die Tour auf Garmin

Novembergrat und Fadensteig

Wir starten beim Sessellift in Losenheim in der Zuversicht, dass wir weder Grödel brauchen noch Schneekontakt haben werden. Selbst gehe ich gar in kurzen Hosen. Der Zustieg von Losenheim zum Novembergrat ist zwar lange, aber unseres Erachtens angenehmer als von Schneebergdörfl aus. Die Sonne lacht, heiß ist es nicht, Mio geht vor. Einer kennt sich aus.

Dort, wo der Novembergrat beginnt, endet für uns der Grafensteig. Wir rasten plaudern, haben eine gute Zeit – wie man so schön sagt. Mir geht es heute konditionell gut. Garmin ist zufrieden mit mir. Am Abend wird Garmin resümieren, dass ich heute eine Erholungstour hatte. Ich vermute, dass es keiner der beiden Garmin-Gründer, Gary Burrell und Min H. Kao, mit den Bergen hatten. Meine Oberschenkel werden am nächsten Tag jedenfalls anderer Meinung sein und Erholung einfordern.

Der Novembergrat sieht teils wild aus, bleibt aber stets zahm. Lediglich einmal braucht Mio Unterstützung seiner Zweibeiner. Wahrscheinlich würde er es auch ohne Hilfe schaffen, aber so eine Aktion würde wiederum unser Nervenkostüm strapazieren.

Wir kehren im Dammböckhaus ein. Es wurde in den letzten Jahren renoviert. Die Zahnradbahn sorgt verlässlich für Gäste. Entsprechend ist hier das Service. Wir verdrücken riesige Schnitzel. Die Nachspeise lassen wir aus, da wir auch noch bei der Fischerhütte einkehren wollen. Ohne Visite da oben fürchten wir des Hüttenwirts, Michl, Rache. Das will ja keiner.

Wir gehen vom Dammböckhaus zum Klosterwappen. Das Schnitzel liegt im Magen, besonders Gernot leidet. Mio, der sein Futter erst ganz oben bekommen soll – großes Hundeehrenwort – ist da agiler unterwegs. Er fetzt über die Almen, verschwindet, testet die letzten Schneefelder und sucht Kontakt zu den Murmeln, zu denen er aber letztlich doch respektvoll Abstand hält.

Am Gipfel sorgt der Wind für Unbehagen. Das beschleunigt den Schritt zur Fischerhütte. Wir haben den richtigen Anstieg gewählt. Der Hüttenwirt beklagt, dass noch ein bisserl zu viel Schnee liegt, um die Straße frei zu bekommen. So müssen die Wanderer mutig ein geschätzt 50 Meter langes Schneefeld im Ab- und Aufstieg meistern. Für uns, die wir vom Klosterwappen kommen, ist das kein Thema.

Wegen der Cremeschnitte sind wir da. Offensichtlich hatte sie in der Gefriertruhe einen langen Winterschlaf. Okay, die Zufahrt ist zu und für eine Palette Cremeschnitten den Hubschrauber kommen lassen, ist auch nicht umweltfreundlich. So kauen wir in Gedanken an den vergangenen Winter an der Cremeschnitte, die sonst so wunderbar ist. Zu meinem Entsetzen habe ich Mios Futter vergessen. Mein großes Hundeehrenwort ist damit nichts, absolut nichts, wert. Mann, Mio! Sorry!

Runter geht es über den Fadensteig. Hier muss Mio mindestens einmal und ein weiteres Mal aus Gründen seines Komforts über Felsstufen gehoben werden. Wer im Fadensteig Schnee sehen will, muss gegen Ende des Jahres wieder kommen. Alles aper.

Der Sessellift in Losenheim dient nun den Mountainbikern als Aufstiegshilfe, seit auf den Winter kein rechter Verlass mehr ist. Uns soll es recht sein, wir fahren damit ab. Renate stellt mit der Frage: „Warum soll ich gehen, wenn eh ein Lift fährt?“ die ganze Bergsteigerei in Frage. Aber, um das zu diskutieren, haben wir doch zu viel gemacht. Frohen Mutes und mit Mio am Schoß fahren wir Lift und schauen den MTB-Fahrern zu. Fein, was hier aus der verlassenen Anlage gemacht wurde.

Fixpunkt ist dann noch die Fleischerei in Puchberg. Ich kaufe einen Würstelvorrat zusammen, als müssten wir mit den Reserven durch den Winter. Nein, „selbstgemacht“ und „günstig“ sind die Argumente für meine Hamsterattacke.

Alles tadellos!

Die Tour auf Garmin

Haidsteig – Königschusswand

Ein bisserl spät, ein bisserl konfus. So starte ich in Griesleiten aber ohne Helm und in den falschen Schuhe. Ja, so etwas kommt vor. Am Internet ist man derart der „Vollkoffer in Laufschuhen und ohne Helm“. Aber jede Krise bietet auch eine Chance! Mah, sind die Schuhe leicht. Los geht’s!

Der Zustieg ist beeilt und trotzdem um fünf bis zehn Minuten langsamer als noch vor fünf Jahren. Wie geht denn das? Ich muss das nachschauen. Dabei fühle ich mich so fit!? Bei der Madonna bleibe ich lange sitzen. Die Sonne lacht, Jause habe ich dabei und auch Ullis Songs. Von der Jause nimmt sie wieder nichts.

Nach 90 Minuten und 40 Sekunden bin ich beim Haidsteig-Schild. Na geh, die 40 Sekunden! Aber auch hier wieder die Frage: „Wo ist im letzten Jahrzehnt die Viertelstunde verlorengegangen?“. Zum Glück gehen meine Aufzeichnungen nur rund zehn Jahre zurück.

Wurscht, schön war es. Mit den falschen Schuhen war ich sicher, dass ich den Königschusswandsteig nicht gehen werde. Die Entscheidung habe ich rausgeschoben, bis ich mit dem Haidsteig fertig bin: „Schauen ma, wie es mir dann geht!“. Schon bei dem Gedanken wusste ich, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist. Aber siehe, da was sollte besser sein?

Am Preinerwandkreuz und am Plateau verquatsche ich mich zweimal wieder endlos. Die Geschichten sind teils wild, teils unterhaltsam. Wild ist dann auch der Schneehase, der mitten am Weg sitzt und nicht im Entferntesten daran denkt, Platz zu machen. Er wechselt gerade auf Sommerfell. Vielleicht juckt das oder ist sonst anstrengend. Jedenfalls wirkt er entnervt. Als ich dann näher komme, erwägt der Hase einen Angriff. Geistesgegenwärtig zücke ich das Handy und filme. Ja, so macht man das heutzutage! Der Schneehase wählt dann doch die friedvollere Option und verschwindet in den Latschen, wo er dann prompt über seine Latschen, die größer sind als die eines normalen Hasen, stolpert.

So, jetzt noch den Königschusswandsteig, der heute auch noch erfreulich gut geht. Sogar beim Felsenfenster komme ich zwar nicht unbedingt elegant aber unter Wahrung einer Restwürde durch. Am Plateau lege ich mich in die Sonne. Das kommt überaus selten vor.

Tadelloser Tag!

Die Tour auf Garmin

Hohe Wand – Triologie

Am Plan stehen ÖTK-Steig, Blutspur und Matthias-Prinner-Steig. Die Bedingungen sind recht gut. Das Auto parke ich am Sonnenuhr-Parkplatz. Drei Stunden sollten leicht reichen. Der Zustieg zum ersten Steig ist kurz. Am Wandfußsteig verplaudere ich mich ein bisserl, aber sonst alles normal. Der Fels kommt mir sehr rutschig vor. Hmm, die Schuhe sind dieselben, und so schnell wird Fels auch nicht speckig? Also, es muss an mir liegen. Ich setze die Sohlen besser auf den Fels. Nach ein paar Metern geht es auch schon besser.

Die Schlüsselstelle weit unten nehme ich ohne Anstrengung gut. Dann ein bisserl Tempo rausnahmen, um nicht zu sehr außer Atem zu kommen. Diesem Motto treu bleibend komme ich oben nach 35 Minuten an. Geht doch.

Die Blutspur ist noch kürzer. Wieder ohne Eile sind es gerade Mal weniger als vier Minuten. Wer den ÖTK-Steig schafft, schafft auch die Blutspur. Wer hier festgelegt hat, dass die Schwierigkeit um eine halbe Stufe höher ist? Man darf sich nicht von der Kürze täuschen lassen, da es um die technische Schwierigkeit geht – meinetwegen.

Nächster Abschnitt: Über die Völlerin im Abstieg zum Matthias-Prinner-Steig. Diesen habe ich auch schon hier beschrieben. Die technische Schwierigkeit ist mit B angegeben. Da scheinen sich dann einige doch mehr gefürchtet zu haben. So ist das B auf der Tafel beim Einstieg mit einem C/D überschrieben. Das mag daran liegen, dass der untere Teil an einen alpinen Ninja-Parcours erinnert. Das ist alpintechnisch weniger eine Herausforderung als eine Überwindung. Die metallene Strickleiter wackelt, der darauffolgende Teil ist ausgesetzt und steil, aber mit Metalltritten technisch gänzlich entschärft, und die Seilbrücke ist spektakulär und vermutlich nicht jedermanns Sache. Egal, nach weniger als 15 Minuten bin ich beim Ausstieg.

Runter steige ich über den Frauenluckensteig. Der ist schon uralt und ich bin ihn auch schon oft gegangen. Der Einstieg von oben ist technisch nicht schwer (auch B), hat es aber meiner Meinung nach in sich. Ich überlege mir, ob ich da mit einem Kind runterklettern würde – nein! Die Leiter weist eine Höhe von geschätzt zehn bis 15 Metern auf. Ein Sicherungsseil sucht man vergeblich. Ob man da zu einem Kind sagen darf: „Da kletterst jetzt runter, aber schön festhalten!“? Na, ich weiß nicht.

So sind es eigentlich vier Steige, ehe ich wieder heimzische.

Die Tour auf Garmin

Fuchsloch – Martinsteig

Wieder einmal Rax – zweifelhaft prickelnd, aber notwendig für die Vorbereitung bzw. um in Schwung zu bleiben! Am Vorabend fragt Gernot in die Gruppe, ob wir ihm Grödel mitbringen können, und Renate lässt mich wissen, dass Gernot Grödel will. Was ist denn das wieder für ein Blödsinn? Ich überlege die Kurze, verwerfe den Gedanken aber, weil Temperaturgrade um die Null und Wind am Plateau zu erwarten sind. Gernot hat außerdem nur die Trailrunningschuhe in Wien. Und ich hab den El Sombrero in Laufschuhen ohne jedes Profil bestiegen. Aber meinetwegen, soll sein.

So stehen wir am Preinergscheid und los kann es gehen. Beim Einstieg des Fuchslochsteigs erwartet uns dann ein erstaunlich langes Schneefeld. Hart ist es auch. Na, zum Glück haben wir die Grödel mit. Mit den Grödeln ist all das kein Problem. Mio schafft sogar ohne Hilfe das kurze, steile Wandl, das in manchem Bergführer, als zwei Meter hohe, senkrechte Schlüsselstelle beschrieben wird. Okay, Mio haben ein bisserl die Haxen gezittert, aber – schwupps – und oben war er. Nochmals ein Schneefeld, wo die Grödel nicht ganz falsch sind und auf der anderen Seite runter zum Karl-Ludwig-Haus.

Schlangenweg oder Karl-Kantner-Steig? Wir probieren den Karl-Kantner-Steig und finden ihn nicht. Das Waxriegelhaus bleibt links liegen. Und dabei wäre heute gar nicht Suppen-Dienstag. Mann oh! Der Grund fürs Falschgehen mag wohl darin begründet sein, dass wieder einiges an Schnee liegt. Zum Glück sind Latschen da, an denen man sich elegant oder auch weniger elegant ablassen kann. Mio rutscht gelegentlich am Bauch und bremst mit den Gogerln. Effizient, aber auch nicht elegant. Ich mache es jedenfalls nicht nach. Da hänge ich lieber wie ein Affe an den Latschen. Der Verdacht härtet sich, dass wir den Martinsteig gehen. Auch recht! Hunger ist eh keiner recht vorhanden.

Wir erreichen also ohne Einkehr wieder das Auto, und sind derart zu einer völlig überraschend kurzweiligen Bergtour gekommen. Tadellos!

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Teneriffa


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Mit jedem Besuch gefallen mir die Kanaren besser. Ich wage die kühne Aussage, dass sich seit 1982 so einiges getan hat. Bei jedem Besuch entdecke ich mehr von den Inseln. Alleine auf Teneriffa war ich schon mindestens zweimal, vermutlich öfters. Wer die Strände im trockenen Südwesten verlässt, verabschiedet sich vom organisierten Tourismus und kann sich eines abwechslungsreichen Angebots für Unternehmungen sicher sein. Aber der Reihe nach!

Untergebracht sind wir im trockenen Südwesten im Hotel Royal Hideaway Corales Beach, dem Hotel mit der höchsten Michelin-Sternedichte zumindest Spaniens. Da schau her, was für ein Zufall! Wir sind im „Adults only“-Teil. Das ist ein bisserl befremdlich für mich. Fehlen doch die Experten für Hoppalas aller Art. So ist es ruhig und gediegen. Nicht einmal Mio hätte Zutritt, noch so ein Beitragsleister in Sachen Unfug. Kurz, ein wesentlicher Teil des Lebens fehlt. So ist es halt ruhig und zivilisiert. Ich fokussiere mich auf andere Erwachsene und habe auch jede Menge Gelegenheit zum Kopfschütteln. Was, wenn ich mich selbst beobachten würde?

Geplant war die Besteigung des Pico del Teide mit seinen 3.715m. Renate hatte schon die Seilbahn reserviert und die staatliche Erlaubnis für die Besteigung des Gipfels eingeholt. Aber schon beim Abflug war klar, dass daraus diesmal nichts werden wird. Die Seilbahn fährt seit Wochen nicht, so viel Schnee hat es schon lange nicht gegeben. Wir lassen die Bergausrüstung also daheim. Und trotzdem besteigen wir zwei Berggipfel spontan.

Um 21 Euro pro Tag leihen wir uns für drei Tage bei Sixt einen Renault Clio. Oh ja, das unterbietet jede meiner Preiserwartungen. Okay, wir schlagen die Vollkaskoversicherung und die Sorglos-Tankvereinbarung aus. Das spart über 200 Euro. Der Clio ist tadellos, einzig er meint unentwegt, dass ich mich doch konzentrieren soll.

Am ersten Tag fahren wir Richtung Norden. Hier haben wir eine Wanderung ausgesucht, die leider doch eher an eine Runde mit Mio erinnert als an eine alpine Unternehmung. Am „Höhepunkt“ der Tour angekommen treffen wir auf Spanier in Kletterausrüstung im Wald. Aber wo geht da etwas? Ich vermag nichts zu erkennen, wofür sie die Ausrüstung brauchen könnten. Bietet Dr. Roland hier einen Wochenendkurs für die Umschulung zum Baumschneider in zehn Stunden an? Egal, wir entscheiden spontan, dass wir noch den Montaña de Limón, zu Deutsch den Zitronenkogel, mit 2.100 m Höhe besteigen. In Laufschuhen, kurzen Hosen, T-Shirt und dafür ohne Plan. Da kann doch nichts schiefgehen. Tut es auch nicht. Der Zitronenhaufen mit Blick auf den Teide wird erklommen. Schön ist es, mit dem Auto kann man auch noch ein bisserl höher rauffahren. Der Abstieg ist ein bisserl zach. Laufschuhe taugen nicht fürs Lavagestein, meine Fußsohlen fragen mich, ob ich noch ganz bei Trost bin. Na ja, ganz so freundlich sind meine Selbstgespräche nicht, aber ich will niemand hier verschrecken. Die Laufschuhe schauen jetzt aus wie der Große Fetzenfisch. Montaña de Limón haben wir jedenfalls in der Tasche.

Am zweiten Tag begleiten uns Carina und ihre Freundin Mia. Wir werden von der einspurigen, abenteuerlichen Bergstraße nach Masca überrascht. Kommt ein Bus, verstopft sich die Verkehrslage schnell. Wie das in der Hochsaison zugeht? Irgendwie muss es gehen, aber wie? Lustig ist, dass die Strecke nach Masca auch in der Tacx-App verfügbar ist. Das heißt, ich kann virtuell zurückkehren und völlig ungestört im Wintergarten die Strecke nachfahren. Es gibt in der Tacx-App übrigens einige Strecken von der Küste Richtung Teide. Diese sind real wie auch virtuell irre. Für mich sind 2.700 Höhenmeter jedenfalls schon ein bisserl sehr über dem Machbaren.

Weiter geht es an die Naturpools an der Küste im Norden. Ans Baden denkt heute aber keiner. Bei einer Tankstelle verköstigen wir uns zu Mittag. Für die Mädels ist im Hotel Halbpension gebucht. Wir als Frühesser müssen uns außerhalb des Hotels verköstigen. Also, keine Sorge, dass wir uns nicht ausreichend um die kulinarische Versorgung der jungen Damen gesorgt hätten.

Am Nachmittag dann noch der tausendjährige Drachenbaum. Ah, oh! Vermutlich ist er auch erst 800 Jahre alt. Auch wenn wir Eintritt zahlen, kommt das nicht so ganz raus. Korrektheit hilft in der Sache aber eh nicht, sonst müsste man das Wahrzeichen ja jedes Jahr umbennen.

Am dritten Clio-Tag nehmen wir uns den Berg El Sombrero vor. Im Abstand von ein paar hundert Metern gibt es zwei Berge, die gleich heißen, namentlich El Sombrero – und ein dritter heißt El Sombrerito. Einer dieser drei sieht aus wie ein Sonnenhut und ist über 2.500 m hoch. Den wollen wir besteigen. Es sind nur 500 Höhenmeter, aber die sind nicht uneingeschränkt als „einladend“ zu bezeichnen. Beim Aufstieg über den Steig „Better up than down“ – der heißt in der Alpenvereinskarte wirklich so -, schrammen wir an einer aktuell so modernen Alpine Divorce vorbei. Während einer meint, dass es nur noch ein paar Meter bis auf den Bergkamm sind, meint die andere, dass es reicht. Über ein Jahrhundert an Lebenserfahrung weisen wir gemeinsam auf und damit wissen wir, das Geduld zum Ziel führt. Unser Verhandlungsergebnis ist, dass wir auf den Kamm steigen und von dort dann weitaus flacher wieder absteigen können. Wenn wir übermütig sind, können wir schauen, wie der restliche Weg zum Gipfel ist. So kommt es, dass wir immer wieder noch ein Stückerl weiterschauen, um irgendwann dann einen eingezäunten Gipfel mit Drehkreuz zu erreichen. Was ’n das? Habe ich auch noch nie gesehen. Ordentlich kalt ist es geworden. Im Nebel und Wind stehe ich da in meinen kurzen Hosen und T-Shirts (ja, ich habe zwei übereinander an), und friere. Zumal wir ja nicht im Laufschritt immer noch ein bisserl weitergeschaut, sondern uns vorsichtig genähert haben, stehe ich nun mit einer leichten Unterkühlung da. Aber den spanischen Bergrettern und den spanischen Zeitungslesern gönne ich den Genuss an der Empörung über den Touristen in Turnschuhen und T-Shirts, der aus seiner misslichen Lage mit dem Hubschrauber gerettet werden musste, nicht. Und alle wüssten sie es besser, der depperte Touri soll die Rettung ruhig selbst zahlen.

Wieder am Bergkamm gäbe es die Option, dass einer, wahrscheinlich ich, den Weg Better-up-than-down zum Auto nimmt, während die andere auf der anderen, flacheren Seite zur Straße absteigt und um den Berg herummarschiert. Renate hat Sorge, ob ich den Weg meistern würde. Ich staune, sage nichts und entscheide mich zur gemeinsamen Umrundung. Was mache ich denn, wenn sie mir da mittlerweile wieder im Wald irgendwo verlorengeht. Handyempfang ist da keiner. Und wie wir wieder auf der Straße sind, ist all die Anspannung weg. So spazieren wir in einem permanenten Redeschwall die drei Kilometer zum Auto zurück. Ich bleibe ein bisserl hinten und schweige mal. Gut gegangen, fein war’s, wenn auch kalt.

Was haben wir noch getan abseits von den Versuchen, uns in Bergnot zu bringen? Essen, herrliches Essen. Adeje bietet so schon feine Lokale mit viel Fisch und Meeresfrüchten. Bei uns im Hotel sind drei von Michelin ausgezeichnete Restaurants. Wir genießen das San Hô mit einem Stern und steigern dann gar noch mit dem El Rincón de Juan Carlos. Zum Abschluss verputze ich noch den Nachspeisenbaum inklusive Zuckerwattenhut und mache Eindruck.

Ach ja, eine Sache ist noch zu erwähnen. Wir machen einen Strandlauf, wie von mir ausgewählt. So etwas schweißt Paare zusammen. Es gibt halt keinen durchgängigen Strand. Es muss improvisiert werden. So geht es mal über Treppen den Berg hinauf und entsprechend auf der anderen Seite wieder einen Pfad hinunter, das mehrmals. Weil es ja eine Runde sein soll, geht es weiter im Landesinneren zurück. Hier nimmt der Lauf durch die geneigte Gstetten von Adeje ein bisserl gar den Charakter eines Military-Laufs an. Kurz, abwechslungsreich halt.

Wir schaffen es jedenfalls wieder als Paar mitsamt den beiden Mädels zurück nach Wien. Zu berichten gäbe es noch einiges von beispielsweise Romero oder vom Leben am wahrlich steilen endlosen Hang, das mich so fasziniert hat. Wie eingangs erwähnt, sind die Kanaren vielfältig und werden bei jedem Besuch interessanter. Wahrlich einen Besuch wert!


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Madrid

Für unseren dritten Kennenlerntag haben wir uns Madrid ausgesucht. Zwei oder dreimal war ich schon da. Wie sooft kann ich mich nicht an viel erinnern: an den Bären am Erdbeerbaum und die endlos Menschenmassen in der Nacht. Schauen ma a mal!

Renate hat das Hotel Brach ausgesucht. Fünf Sterne erwarten uns, wir bekommen das Zimmer neben der Rezeption im ersten Stock. Das Zimmer ist klein, aber fein. Um zehn endet der Tag für uns, die erschöpften Reisenden. Von der Bar klingen Schnulzen aus den Achtzigern herauf. Zu „I’m on my way“ denke ich mir: „Fünf Sterne sind das nicht, aber so ist es eben!“. Die Nacht ist kurz! Um halbzwölf haut uns ein House-Techno-Irgendwas-Beat aus den Federn! „I did it my way“ in Neuauflage mit viel Bass und in einer Lautstärke, dass ich ins Gewand springe und auf den Gang stürme. Ebenso aufgeregte wie aufgebretzelte Spanierinnen in ihren goldenen Kleidern mit Getränken in den Händen so weit das Auge reicht. Schön, aber geht’s noch? Ich suche den Concierge und finde ihn nicht. Ehe ich in eines der vielen herumliegenden Funkgeräte brülle, steht er plötzlich da. Er hat schon gesagt, dass die Musik leiser gedreht werden muss. Mein Duolingo-Spanisch reicht, um zu fragen, ob sie ihnen ins Hirn geschissen haben. Es reicht aber nicht fürs „..und vergessen haben runterzulassen.“. Ich will den Manager. Der Mann verweigert. Wurscht, er will hinter seiner Budel verschwinden, aber ich bin ihm auf den Fersen, klatsche dabei in die Hände, wie ich es tue, wenn Mio nicht weiter will und ich hinter ihm her bin. Der gute Mann findet in seiner Not dann noch ein Zimmer im dritten Stock. Wir lassen unsere Sachen im alten Zimmer und schlafen gut. Das Hotel ist recht fein eingerichtet, aber die Bar, die akustisch nicht vom restlichen Hotel abgetrennt ist, lässt mich von einer Buchung abraten.

Ab dem nächsten Tag ist Renate krank. Eine Erkältung hat sie dahin gerafft. So ziehe ich ein paar Mal alleine durch die Stadt. In faultierartigem Tempo – so geht Städtetourismus. Den Besuch bei Paco Roncero, ein von Michelin geadelter Zweisternekoch, lässt sich Renate nicht nehmen. Gleich danach suchen und finden wir wieder im warmen Hotelzimmer Zuflucht. Mein männliches Immunsystem hat mit den Viren leichtes Spiel und widersteht selbstredend, obwohl ich drei Tage auf engstem Raum mit meiner nahezu moribunden Gemahlin verbringe.

Bei unseren teils kurzen Ausflügen an die frische Luft gefällt uns Madrid überaus gut. Eindrucksvoll und gepflegt ist es allemal. Am Tag unserer Abreise findet der Madrid-Marathon statt. Da sind die Straßen um unser Hotel autofrei – herrlich. Mit Renate und dem Wetter geht’s bergauf. Der Himmel ist gar wolkenlos. So präsentiert sich Madrid nochmals von seiner besten Seite.

Die Stadt ist eine klare Empfehlung, das Hotel unter Vorbehalt. Das nächste Mal dann wieder fit wie ein Turnschuh!

Altenbergersteig – Heukuppe

Renate, Mio und ich starten an diesem Dienstag vom Preiner Gscheid aus. Renate hat die Tour ausgesucht. Wir starten wieder einmal in den einsamen Teil der Rax. Alles geht gut dahin. Der Schnee wird weniger, die Schneerosen werden mehr. Bei der Karneralm wird gerastet. Mio weiß, wo gejausnet wird. Da gibt es heute keine Programmänderung.

Am Plateau liegt dann durchgängig eine Schneedecke. Kalt ist es, wir packen uns fest ein. Mio jagt auch nicht mehr jeder Gämse nach. Er könnte, wenn er wollte. Aber warum auch?

Runter geht es den Schlangenweg. Man kommt schon gut ohne Grödel runter. Die einzige Auffälligkeit sind ein paar Bergschuhe, die jemand hier am Rand schon weit unten abgestellt hat. Sachen gibt’s, ich melde es dem Hüttenwirt beim Waxriegelhaus.

Im Siebenbrunnenkessel ist Mio plötzlich weg. Auf meinen Pfiff vergehen schon ein, zwei Minuten. Mio hat den richtigen Weg eingeschlagen und ist zum Waxriegelhaus vorgelaufen. Ja, er kennt das Programm. Jetzt musste er nochmals zurück. Völlig außer Atem steht er da, holt sich das Leckerli ab und ist wieder weg. Bei der Hütte wartet er. Er weiß ja, was sich gehört.

Einziges Low-Light des Tages ist, dass am Waxriegelhaus dienstags nur Suppen serviert werden. Na ja, das halten wir auch aus! Fein war’s!

Die Tour auf Garmin

Schneeberg

Mio und ich starten am Parkplatz des Sesselliftes in Losenheim. Tourengeher kommen uns vergnügt und zufrieden entgegen. Ich staune, was haben denn die heute gemacht? Es ist kalt, der Boden hart, aber wenig Schnee. Keine Wolke trübt das Blau des Himmels, ein feiner Tag wartet, aber die sind schon fertig – hmm?

Die Bürklehütte ist bald erreicht, die beiden jungen Damen, die wir dort treffen, wollen Mio nichts von ihrer Jause abgeben. So hart kann das Leben sein. Wir machen weiter, trotzdem. Nach eineinhalb Stunden bin ich mitten im Nandlgrat. Nach 90 Minuten enden meine Touren am Hometrainer, aber hier ist noch lange kein Ende in Sicht. Die Grödel versehen gute Dienste, ohne sie wäre es kaum machbar. Mio ist immer voraus. Als ich dann auf allen Vieren weitermache, wundert er sich. Was ist denn heute mit seinem Zweibeiner los? Ja, der ist fertig. Beim Spar habe ich mir so eine Trinkmahlzeit mitgenommen. Über 2.000 Kalorien schütte ich mir fast in einem Zug rein, das hilft – ein bisserl.

Und irgendwann sind wir dann doch am Plateau. Jetzt muss ich nur noch durchhalten. Das kann ich, der Geist ist stark. Im Winterraum der Fischerhütte erhole ich mich gut, wir können weiter zum Klosterwappen. Runter geht es den Wurzengraben. Die Tourengeher, die sich da herauf und danach auch wieder hinunterquälen verdienen Anerkennung. Ich komme auch so gut voran. Die Bedingungen sind ideal, ich sinke gerade mal die obersten paar Zentimeter ein. Die Spuren zeigen, dass vor ein paar Tagen andere Fußgänger unterwegs waren, die wohl bis zum Oberschenkel eingebrochen sind. That’s bad, so bad!

Die Schneedecke geht allmählich in eine Eisdecke über. Ab der Edelweißhütte sind die Eisflächen dann schon sehr oft unterbrochen. Ein Tourenfahrer, der wohl nie aufgibt, rutscht diese seitlich ab. Ein Lärm ist das, als würde jemand mit schwerem Gerät den Berg umackern. Am letzten Zipfel holen Mio und ich ihn ein. Glückseligkeit findet sich in seinem Gesicht. Was hat der? Aber er berichtet von den besten Firnbedingungen seit Ewigkeiten hier am Schneeberg. Oben kann ich mir das sogar vorstellen. Man muss halt bereit sein, so einiges an aperen Höhenmetern auf sich zu nehmen.

Ich habe mich ausreichend ermüdet und lasse mich zufrieden ins Auto fallen. Mit ein bisserl Aufwand werde ich meine Radkondition in eine Bergkondition wandeln – soweit der Plan. Alles gut!

Die Tour auf Garmin